Saheb's Satz

Mit dem Netz der Sprache versuchen wir, die Wirklichkeit zu fangen. schrieb Alexander Saheb irgendwann in den 90ern des letzten Jahrhunderts. Jung war er damals, so wie wir, und gewiss voller Ideale. Nun, seitdem ist ja einige Zeit vergangen und mich würde durchaus interessieren, wie dieser Aphorismus heute aus seiner Feder flösse. Denn nicht erst seit heute erscheinen mir die Maschen dieses Netzes manchmal nicht nur unwesentlich zu grob. Zu weitmaschig dann das Netz der Sprache, um darin etwas Wirkliches einfangen zu können. Zu groß geknüpft die Maschen, denn für die feineren Knoten fehlt es an wohlgesetzten Worten. So grob wie ein Regenbogen in den Farben RGB im Zentrum einer rechteckigen grauen Masche. Und ebenso lieblos geknüpft sind diese Maschen, wie mich ein solcher Regenbogen herzlos anmutet.

Andererseits .. versucht denn überhaupt noch jemand, die Wirklichkeit zu fangen oder ist nicht auch das längst Fiktion? Und wenn nicht Wirklichkeit sondern Fiktion, wozu braucht es dann ein Netz aus feinen Maschen? Ja wären diese nicht sogar sträflich, weil in ihren Facetten verräterisch? Lebt nicht die Fiktion gerade in den großen Maschen besonders komfortabel, die der Leser wieder und wieder mit seinen eigenen Phantasien ausfüllen kann und wird, bis sich ihm ein Bild darbietet, das zu erkennen er mit seinem begrenzten Horizont in der Lage ist? Bis sich seine eigene Wirklichkeit in diesen Maschen fängt?

Dann allerdings wäre Saheb's Satz ja trotz dilletantisch grober Maschen gültig. Dann wäre auf dem Umweg über die Fiktion des Schreibers ja letztlich doch die Wirklichkeit in diesem Netz der Sprache eingefangen worden. Dumm nur, daß der Schreiberling diese Wirklichkeit nicht kennt.

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