Brötchentüten und Brote

Noch strahlte der Himmel in Blau und Weiß und nicht der geringste Lufthauch milderte die Schwüle dieses Tages. Noch umgab Stille die Menschen dort draußen, die immer wieder beunruhigt um sich schauten und mit zusammengekniffenen Augen den Horizont absuchten. Sie spürten, es lag etwas in der Luft . Sie wußten, es würde bald etwas geschehen.

Als es dann herannahte, hielten jene, die es frühzeitig bemerkten, in ihren Geschäften inne und blickten staunend zu dem Schauspiel hinauf, das sich über ihnen abspielte. Aus der Ferne schob sich eine mächtige Wand aus dunklen Wolken heran. In atemberaubendem Tempo näherte sie sich, türmte sich wie im Zeitraffer höher und höher auf und bedeckte schnell den ganzen Landstrich. Grau und Schwarz nun dort, wo eben noch blauer Himmel war. Am Boden setzte der Sturm, der dort oben die zum Bersten mit Wasser vollgesogenen Wolken zusammengetrieben hatte, erst mit einiger Verzögerung ein. Wie Weidenruten bogen sich die mächtigen Pappeln drüben am Fluß unter seiner Peitsche. Im nächsten Augenblick zuckten die ersten Blitze und der Himmel öffnete seine Schleusen über jenen, die noch immer wie angewurzelt dort standen und nach oben starrten. Deren Zustand der Lähmung wich jedoch sehr schnell dem Fluchtinstinkt, als sich wenig später Unmengen von Wasser über sie ergossen und sie in ihrer völlig durchnässten Kleidung eilends einen Unterschlupf suchen ließ.

Ich schaute zu ihnen hinab und mußte an die Installationen aus Brötchentüten und Broten denken, die ich jüngst bewunderte. Wie fragil und vergänglich waren sie mir bereits in dem geschützten Raum erschienen, von dessen Decke sie für die kurze Spanne ihrer Existenz herabhingen. Wären sie jetzt, in diesem Moment, dort draußen gewesen, Sturm und Gewitter hätten sie in unzählige Stücke zerrissen und die aufgeweichten Krumen fortgespühlt.

Hoffentlich legt sich das Gewitter bis heute abend, wünschte ich mir still, während ich mir das triefend nasse Vergnügen ausmalte, bei solchem Wetter unterwegs zu sein.

yester - 20. Jun, 22:18

Eine wundervolle Erzählung. Ein wundervoller Text. Ich verbeuge mich und sage Danke.

entracte - 20. Jun, 22:46

Es freut mich, wenn er gefällt.

Würd' ich mich jedes Mal, wenns eigentlich angebracht wär, vor Dir verbeugen, wären meine Lendenwirbel längst abgenutzt ..
yester - 20. Jun, 22:50

Ja, mach nur, das ich rote Wangen bekomme.... :)))
entracte - 20. Jun, 23:03

Du und deshalb rote Wangen? Eine köstliche Vorstellung ..
yester - 20. Jun, 23:05

Lach nicht, meine Sensibilität ist dieser Tage ausserordentlich stark erhöht.
entracte - 20. Jun, 23:10

Wenn ich nicht lachen soll, dann schreib nicht solche Sätze.

Nichts Ernstes geschehen, so hoffe ich ..
yester - 20. Jun, 23:12

Na gut, freut mich ja, wenn du lachst. Also lach nur. :)

Noch nicht. Wir werden sehen.

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