Unvermeidliche Begegnungen
"Der M. ist ein A****loch." waren nach der geschäftlichen Verhandlung seine ersten Worte an mich. "Ich habe mich gewundert, daß du so ruhig geblieben bist, zumindest äußerlich." "Das wußten wir doch vorher bereits." erwiderte ich. "Und wäre es der Sache dienlich gewesen, wenn wir uns ebenso a****lochmäßig verhalten hätten wie er?"
Es gibt Tage, vor denen mir regelrecht graut. Das sind zumeist Tage, an denen ich gezwungenermaßen längere Zeit mit Menschen verbringen muß, die ich nicht oder nicht mehr mag. Dieses unangenehme Gefühl beruht nicht darauf, daß ich jemanden nicht mag, denn das ist bekanntlich eine eher subjektive Angelegenheit. Was mir dieses mentale Bauchgrimmen verursacht, ist vielmehr die Tatsache, daß ich im Vorhinein weiß, ich werde mich gewaltig zusammenreißen müssen., dieser Person nicht offen zu sagen, was ich von ihrem Charakter halte. Um mich nicht sogar durch ihre Provokationen dazu hinreißen zu lassen, ihre Verhaltensmuster zu übernehmen. Den Vormittag hatte ich also mit Bravour überstanden, es fiel mir wider Erwarten nicht einmal schwer.
Ganz im Gegensatz zu der relativ kurzen Begegnung am späten Nachmittag, bei der mein Unbehagen von Minute zu Minute wuchs. Sie gab sich wieder einmal so, als wäre nicht geschehen, was geschehen ist, als wäre das, was ich gerade für sie tat, die selbstverständlichste Sache der Welt. Als sie mich bat, vor dem Geschäft zu warten, wunderte ich mich nicht wirklich darüber. Minuten später kam sie wieder heraus, übergab mir das Stück Papier, um dessen Erledigung sie mich gebeten hatte, und wir verabschiedeten uns. Als sie sich zum Gehen umdrehte, wünschte ich ihr viel Spaß und ich glaube noch ein Danke gehört zu haben.
Ich fühle mich nun irgendwie erleichtert, diesen Tag hinter mir zu haben. Jedoch ob ich mich immer so beherrschen will wie heute, das bezweifle ich.
Schlaf trotzdem gut.
Hätt' ich Deinen Kommentar noch vor dem Schlafengehen gelesen, wer weiß, vielleicht wäre ich heut in der Früh nicht so gerädert aufgewacht ..