Unvermeidliche Begegnungen

"Der M. ist ein A****loch." waren nach der geschäftlichen Verhandlung seine ersten Worte an mich. "Ich habe mich gewundert, daß du so ruhig geblieben bist, zumindest äußerlich." "Das wußten wir doch vorher bereits." erwiderte ich. "Und wäre es der Sache dienlich gewesen, wenn wir uns ebenso a****lochmäßig verhalten hätten wie er?"

Es gibt Tage, vor denen mir regelrecht graut. Das sind zumeist Tage, an denen ich gezwungenermaßen längere Zeit mit Menschen verbringen muß, die ich nicht oder nicht mehr mag. Dieses unangenehme Gefühl beruht nicht darauf, daß ich jemanden nicht mag, denn das ist bekanntlich eine eher subjektive Angelegenheit. Was mir dieses mentale Bauchgrimmen verursacht, ist vielmehr die Tatsache, daß ich im Vorhinein weiß, ich werde mich gewaltig zusammenreißen müssen., dieser Person nicht offen zu sagen, was ich von ihrem Charakter halte. Um mich nicht sogar durch ihre Provokationen dazu hinreißen zu lassen, ihre Verhaltensmuster zu übernehmen. Den Vormittag hatte ich also mit Bravour überstanden, es fiel mir wider Erwarten nicht einmal schwer.

Ganz im Gegensatz zu der relativ kurzen Begegnung am späten Nachmittag, bei der mein Unbehagen von Minute zu Minute wuchs. Sie gab sich wieder einmal so, als wäre nicht geschehen, was geschehen ist, als wäre das, was ich gerade für sie tat, die selbstverständlichste Sache der Welt. Als sie mich bat, vor dem Geschäft zu warten, wunderte ich mich nicht wirklich darüber. Minuten später kam sie wieder heraus, übergab mir das Stück Papier, um dessen Erledigung sie mich gebeten hatte, und wir verabschiedeten uns. Als sie sich zum Gehen umdrehte, wünschte ich ihr viel Spaß und ich glaube noch ein Danke gehört zu haben.

Ich fühle mich nun irgendwie erleichtert, diesen Tag hinter mir zu haben. Jedoch ob ich mich immer so beherrschen will wie heute, das bezweifle ich.

yester - 23. Jun, 00:04

Weisst du, ich denke dann immer, dass ich mich nachher nur noch mehr ärgern würde, würde ich die Beherrschung verlieren. Lasse ich mich so weit provozieren oder gebe ich meiner inneren Wut so weit nach, dass ich die aktive Kontrolle verliere, stelle ich mich vor dem anderen selbst bloß und am Ende verliert man doppelt: deren Achtung und die eigene Achtung vor sich selbst.

Schlaf trotzdem gut.

entracte - 23. Jun, 19:14

Daß die Beiden, um die es sich handelt, überhaupt jemanden achten, das bezweifle ich ..

Hätt' ich Deinen Kommentar noch vor dem Schlafengehen gelesen, wer weiß, vielleicht wäre ich heut in der Früh nicht so gerädert aufgewacht ..

Trackback URL:
https://entracte.twoday.net/stories/2220821/modTrackback

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Kleine unwesentliche...
Gleichermaßen erfreut und überrascht bin ich immer,...
entracte - 27. Jul, 15:01
Glut
Dem in der gleißenden Sonne verdorrenden Gehirn einen...
entracte - 21. Jul, 18:59
marc 11/12
entracte - 19. Jul, 21:36
Okay, das nächste Fettnäpfchen.
Okay, das nächste Fettnäpfchen.
yester - 17. Jul, 20:20
Die Art "Freunde auszutreiben",...
Die Art "Freunde auszutreiben", von der ich nach Lesen...
entracte - 17. Jul, 19:18

Links

Credits

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB

Impressum

Online seit 7040 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 27. Jul, 15:01